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Bis 11 Uhr kontrollierte ich häufig die Hitzeentwicklung direkt unter den Öfen und im Schornstein. Wir senkten beide Öfen um eine Steinschicht ab. Um 10.30 Uhr entdeckte ich, dass bei beiden Öfen die Holzkohle auf den Rosten anfing sich zu entzünden. Ich gab Alarm. Wir wappneten uns mit Handschuhen, füllten Holzkohle auf die Glut in den Feuermulden, hoben die Öfen an, entfernten die Pflasterstapel darunter und setzten die Öfen auf die Feuermulden. Danach griffen wir zur Schaufel und dichteten den Spalt zwischen den Öfen und den Feuermulden mit Sand ab. Nun legten wir auf die Schornsteine alte Topfdeckel.
Die folgenden beiden Stunden verbrachten wir mit Spielen auf dem Gelände, Vorbereitung des gemeinsamen Grillen mit der Klasse 9b der ALS, sowie mit Beobachtung und Kontrolle der Temperatur- und Rauchentwicklung der Öfen. Drohte ein Ofen zu ersticken, öffneten wir die Zuluftrohre und setzten den Topfdeckel schräg, nahm die Rauch- und Wärmeentwicklung bei einem Ofen stark zu, so verschlossen wir die Öffnungen mit einem Stein und Sand bzw. mit dem Topfdeckel.
Als um halb zwei die Klasse 9b zu uns kam waren die kritischen ersten drei bis vier Stunden des Brandes vorbei, ohne dass die Öfen zu heiß geworden waren. Wir vergrößerten nun die Luftzufuhr.
Während anfangs Wasser an den Topfdeckeln kondensierte, war zu dieser Zeit dort auch Teerkondensat zu entdecken. Er roch wie Vaters alte Pfeife. Dies ist ein Zeichen für die Umwandlung der Hölzer im Ofen zu Holzkohle.
Um ca. 16.00 Uhr war der Ofen des Gymnasiums innen bei halboffenem Zulufttunnel und offenem Schornstein vollständig hellrot glühend, sodass wir die Temperatur auf 900 - 1000 Grad schätzten. Nun rauchte der Ofen nicht mehr. Wir hielten einen Holzsplitter in die heißen Abgase. Er verkohlte ohne zu brennen. Außerhalb der Abgase jedoch begann er zu glühen. Die Abgasatmosphäre war also so gut wie sauerstofffrei. Bei Verschluss der Zuluft wurde die Glut sofort dunkler und auch die Abgase waren deutlich kühler. Um einen reduzierenden Brand sicher zu stellen, verschlossen wir die Zu- und Abluftöffnung und erstickten so im Laufe der Zeit das Feuer im Ofen. Wie das Brandergebnis später zeigte, führte dies eher zu einem Schwarzbrand durch Kohlenstoffüberschuss als zu einem Farbspiel reduzierter Metalloxide. Nach gemeinsamem Essen, gemeinsamer Ofenbeobachtung und gemeinsamen Spiel verabschiedete sich um halb fünf die Klasse 9b von uns, denn am nächsten Tag stand eine Französischarbeit an.
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Der Ofen unserer Klasse kam langsamer auf Touren. Erst ca. 2h später war innen Glut zu sehen. Vielleicht deshalb, weil seine Zuluftrohre einen geringeren Querschnitt hatten oder der niedrigere Schornstein weniger zog. Seine Glutfarbe war auch dunkler, sodass wir wahrscheinlich ca. 800 - 850 Grad erreichten. Dennoch wurde bei unserem Ofen die Papierhülle schneller stellenweise aschschwarz - vor allem unten in der Sandbedeckung und am Schornsteinansatz. Dies geschah, obwohl unsere Ofenhaut dicker war. Sie war jedoch in den vier Tagen bis zum Brand etwas angetrocknet.
Da eingeworfene Holzstücke innen sofort Feuer fingen, ging ich von oxidierender Ofenatmosphäre aus. Durch Einwurf einer Schaufel kleiner Kohlestücke und eines Stückes Grillanzünders erhöhte ich innen den Sauerstoffverbrauch. Der Verschluss der Zu- und Abluftöffnung erstickte auch diesen Ofen.
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Das Abendbrot nahmen wir draußen beim Kerzenschein mit Blick auf die zwei Öfen und beim offenen Feuer in einem mexikanischen Ofen zu uns.
Mit einer kleinen Disko ließen wir den Abend ausklingen und begaben uns zur Ruhe. Das Wetter hatte es gut mit uns gemeint: Wir hatten einen tollen Tag bei Sonnenschein und Wärme draußen verbringen können, während die Wochen davor und die Tage danach unbeständig nass - kalt waren.
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Nach einem Tag ungeduldigen Wartens konnten wir die Öfen öffnen, - bei Regen!
Dies tat jedoch unserer Stimmung keinen Abbruch. Wir brachen die Öfen auf, bargen die gebrannten Stücke aus der Asche und freuten uns an den Ergebnissen. Die Stimmung unter den Schülern dabei glich der von Kindern bei der Ostereiersuche, so begeistert waren sie.
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Alle Stücke waren partiell oder ganz geschwärzt, nur an einigen wenigen Stellen waren rötliche Farbspuren vom reduzierten Kupfer bzw. Kupfer-I-Oxid zu entdecken.
Die aus den Öfen geborgenen Stücke gefielen meinen Schülern und mir alle sehr. Es war zudem das erste Mal, dass die Schüler der 9. Klasse des Gymnasiums mit Ton arbeiteten.
Zit.: "Im Wurzelgeflecht der Kunst eine eigene Ansicht zu vertreten, hat etwas von Zivilcourage an sich. Man sollte sich die Freiheit seines eigenen Urteils bewahren und nicht danach schielen, was andere für gut und schön halten." (Gustav Weiß)
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Fazit: Die beiden Brände waren insgesamt gelungen: Beim Brand selber ist kein Werkstück kaputt gegangen, hingeben gab es einigen Bruch aufgrund geringer Erfahrung mit dem Material Ton bei der Klasse 9b der ALS. Die erreichten Temperaturen reichten aus, um den Ton zu Keramik zu verwandeln. Die gewählte Führung der Luftzufuhr eignet sich für einen Schwarzbrand. Vollständige Schwärzung ließe sich durch das Einbringen von rußenden Brennstoffen kurz vor Ofenverschluss erreichen. Für einen Brand, bei dem man die natürliche Tonfarbe möglichst rein erhalten möchte, sollte man den Brand mit geöffneter Zuluft oxidierend zu Ende führen. Um bei dem Brand auf den Ton in Lösung aufgebrachte Metallsalze zu reduzieren und dadurch verlässlich Farbeffekte zu erreichen, sind weitere Experimente mit der Auftragstärke sowie der Drosselung der Luftzufuhr während des Brandes nötig.
Zitat.: "Im Grunde genommen besteht der Pluralismus des Erlebnisfeldes darin, dass das Begreifliche ebenso existiert wie das Geheimnisvolle. So entspricht es dem Leben, denn wir wissen auf viele Fragen eine Antwort, auf viele auch nicht. Wir machen uns in vielen Dingen Erfahrungen zunutze, die auf anderen Gebieten gewonnen wurden; und wenn wir auch fest in unserer Zivilisation verankert sind, so hören wir doch niemals auf, darüber hinaus originell sein zu wollen. Und dieses Bestreben ist nach allen Seiten offen. Der Geist weht, wo er will." (Gustav Weiß) | |
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Es war beeindruckend, wie viel besser die Papierhülle der Hitze standhielt als das Betonrohr für die Zuluft. Dieses war im Bereich des Ofens völlig verbrannt. Nur die unteren Seitenteile standen noch und waren völlig schwarz und bröselig geworden. Wir staunten über die Öfen und die Feuerfestigkeit des Materials Papier.
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Feuergrube beim Aufbau fast vollständig abgebaute Feuergrube: deutlich zu erkennen das verbrannte und zerbröselte Zuluftrohr
Alle Beteiligten hatten Spaß und waren mit "Feuereifer" dabei. Die Schüler waren stolz auf ihr Werk. Die Klasse 9b der ALS Korbach hat unsere Schule und unsere Schüler bei gemeinsamen Tun auf gleicher Ebene kennen gelernt. Die Schüler beider Klassen sind offen und kooperativ miteinander umgegangen, haben gut zusammen gearbeitet und sind sich näher gekommen. Der Papierofenbrand kam auch bei den Kollegen gut an. Mehrere äußerten den Wunsch, ein ähnliches Vorhaben einmal mit ihrer Klasse durchzuführen. Tipps und Hinweise zum Bau und Brand mit einem Papierofen: - Als Rost kann man ein Lochblech oder einen Gitterrost vom Schrottplatz oder ein Floß aus grünem Holz verwenden, - als Brennmaterial eignet sich besonders Holzkohle; sie ist leicht und hat einen hohen Brennwert - als Schornstein kann man eine Bockwurstdose nehmen, ein Ofenrohr oder was einem geeignet erscheint, unterzugige Öfen sind effektiver als oberzugige, daher ist es nicht schlecht, ein längeres Ofenrohr auf den Rost zu stellen und die Hölzer dagegen zu legen, als ein Rohr oben anzubringen. So ist auch das Problem der Befestigung des Rohres gelöst. - für die Außenhülle eignet sich Hochglanzpapier besonders, da es von sich aus feuerfester als anderes Papier ist. Dünnes Illustriertenpapier haftet gut auf dem Holz, weicht aber leicht auf und erfordert viele Schichten. Dickes Hochglanzpapier wie z.B. das von Reklameschildern oder von Autoprospekten ist sperriger in der Verarbeitung, aber arbeitssparend. Ich empfehle, auf ein oder zwei Lagen dünnen Papiers dickeres aufzutragen und gegebenenfalls zwischen den Schichten mit der Hand Tonschlicker aufzuschmieren. Bei einem kegelförmigen Ofen mit einem Durchmesser von 50cm und ca. 60cm Höhe der Hölzer benötigt man nicht mehr als 10 Schichten dickeren Katalogpapiers und zwei bis drei Zehn-Liter-Eimer Tonstaub für den Tonschlamm. - Lassen Sie das Feuer in der Feuergrube niederbrennen, bevor Sie den Ofen darüber aufbocken: Flammen entzünden den Ofen zu schnell. Unterschätzen Sie die Hitzestrahlung der Glut nicht, halten Sie das Feuer eher klein. - Verlegen Sie in die Feuermulde ein Zuluftrohr, um eine bessere Regulationsmöglichkeit zu haben. - der Ofen sollte die ersten 3 Stunden nicht in Brand geraten, sondern sich langsam im Innern auf ca. 300 - 400 Grad erwärmen. Dies erreicht man, indem man den Ofen langsam auf das Feuerchen herabsenkt. - Das Einbauen einer Schamotteplatte oder von Alufolie unter dem Brenngut gibt Sicherheitsreserve gegen zu schnelles Durchbrennen zur Keramik. Die größte Gefahr für Keramikbruch ist ein zu schnelles Aufheizen im unteren Temperaturbereich. - Sollte der Ofen vorzeitig Feuer fangen (was mir bei meinen bisherigen drei Öfen immer passiert ist), so habe ich auf das Feuer noch Holzkohle gegeben, den Ofen sofort darauf abgesenkt, den Spalt zwischen Ofen und Feuerkuhle mit Sand abgedichtet. Bei verschlossenem Zuluftrohr und Deckel auf dem Ofen kann man auf diese Weise sogar den Ofen ersticken. - Durch dosierte Öffnung bzw. Verstopfen des Zuluftrohres und des Schornsteins (alter Topfdeckel) lässt sich der Brandverlauf und die Temperaturentwicklung kontrollieren: In den ersten Stunden sollte die Rauchentwicklung nicht plötzlich stark zunehmen. Wenn man in der Zeit die Hand oben in den Schornstein steckt, sollte man Wärme, aber nicht Hitze spüren. - Durch Drosseln oder Freigabe der Zuluftöffnung kann man beeinflussen, ob der Brand eher reduzierend oder oxidierend verläuft. Wenn man bei glühendem Ofeninneren die Öffnungen abdichtet, erreicht man eine Schwarzfärbung des Scherbens. Kohlenstoff dringt dabei mehrere Millimeter tief in den Scherben ein. Dies kann durch den Eintrag von rußenden Materialien noch verstärkt werden. Die schwarze Oberfläche bleibt auch nach Säuberung der Oberfläche der Stücke erhalten. - Durch Auftragen von Metallsalzlösungen oder -oxiden auf den Ton, welche im Brand reduziert werden, lassen sich insbesondere bei weißem Ton Farben und Farbspiele erreichen. (Eisensulfat: rötliche, orange und gelbliche Töne mit schwarzen Reduktionszonen, Kupfersulfat: Bordeauxfarben, Kupfernitrat: bläuliche Spuren, Mangansulfat: violette oder purpurne Töne ). Damit diese gelingen, ist aber Erfahrung in der Brandführung und der Auftragdicke der Lösungen nötig. Sie erhöhen außerdem die Giftigkeit der Abgase und stellen eine Umweltbelastung dar. - Ein Durchbrennen der Ofenhaut bei rotglühendem Inneren ist nicht schlimm. Der Papierofen kann sowieso nur einmal benutzt werden. - Ein Durchbrennen der Ofenhaut lässt sich verzögern oder verhindern, indem man an kritischen Stellen beim Brand weitere Schichten Tonschlamm und Papier aufträgt. - Eine Abschätzung der erreichten Temperatur ist aufgrund der Farbe der Glut möglich: 400 Grad Grauglut, 525 Grad beginnende Rotglut, 700 Grad Dunkelrotglut, 850 Grad Kirschrotglut, 950 Grad Hellrotglut, 1100 Grad Gelbglut, 1200 Grad beginnende Weißglut - aufgrund der Isolationswirkung der Asche sollte der Ofen einen Tag auskühlen, bevor die gebrannten Stücke entnommen werden.
Sicherheitshinweise: - Ofenabgase sind heiß und giftig: nie von Luv an den Ofen treten, um hinein zu greifen oder zu schauen. Atemwege und Haare werden sonst unnötig gefährdet. - Die Strahlung der Glut schädigt die Augen: Ungeschützte Glasbläser sind im Laufe der Jahre erblindet. Schutzbrillen (z.B. Sonnenbrillen wie zur Beobachtung der Sonnenfinsternis, Schweißerbrillen) sind anzuraten. - Wie bei jedem Feuer sollten geeignete Löschvorrichtungen bereit gehalten werden. - Die Feuerstelle sollte nicht in unmittelbarer Nähe von brennbarem Material liegen. (Abstand zu Baumästen etc.), die Aufsicht über längere Zeit gewährleistet sein.
Literatur: - Gustav Weiß: Abenteuer Erde und Feuer, Das ist Keramik, Verlag Paul Haupt, Stuttgart 2000, ISBN 3- 258-06184, - Zeitschrift: Neue Kermik, 8, 01: Wissen & Können, Unter den Eichen 90, D-12205 Berlin, Hrgs: Gustav Weiß, S. 949ff - Hajo Bergandt: Papierofenbrand, in: Zeitschrift Neue Keramik, 2001, S. 564f - Katja Rodemann u. Markus Schneider: Die Feuerwerkstatt; Feuer, Feuerwehr und Brandschutz. Verlag an der Ruhr, ISBN 3-86072-474-6
Dank sagen möchte ich - Tópe Keramika, Zeitgenössische Zier- und Gebrauchskeramik und Kurse aus Leipzig für die Demonstration und Information - Frau C. Naerger, Keramikmeisterin in Minden für die zur Verfügung gestellte Literatur zum Thema Ofenbau und Papierofen - Frau Sabine Gärtner - Classen, Karlsruhe, Museumspädagogin und Künstlerin mit Spezialgebiet Feuerskulpturen aus Keramik für ihre kompetenenten Ratschläge in Bezug auf Sicherheitsrisiken - der Firma Gülich in Lichtenfels, Hessen, für die nette und kompetente Führung sowie für die Abgabe von Material - den Kollegen der Alten Landesschule und der Paul-Zimmermann-SchuleKorbach für die Kooperation
Martin Fricke, im Dezember 2001
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